Der Spanische Erbfolgekrieg 3.3: Vormarsch nach und Belagerung von Paris
Sonntag, den 20. April 2008Die militärische Kampagne des Frühsommers 1712 verlief nahezu exakt den Erwartungen der Krieg führenden Mächte entsprechend. Die Alliierten rückten Kilometer für Kilometer und Stadt für Stadt näher an Paris heran.
Lediglich die Armee Georgs von Hessen-Darmstadt stieß auf etwas mehr als den erwarteten Widerstand auf ihrem Weg durch den Westen Frankreich. Der Duke Malborough wurde, wie nicht anders vorherzusehen war, ungefähr zwei Wochen rund um Reims aufgehalten, während Prinz Eugen zügig vorankam.
Nahezu zeitgleich konnten so die Belagerungspositionen nord-östlich und süd-östlich der französischen Hauptstadt eingenommen werden. Nachdem die Truppen Georgs dann, zwei Wochen später als erwartet, eintrafen, konnte der Belagerungsring schließlich geschlossen werden.
Einige Tage zuvor war der einzige französische Versuch gescheitert, eine Presche zwischen die Truppen Eugens und Marlboroughs zu schlagen.
Zunächst tat sich nun auf beiden Seiten recht wenig, den Franzosen war bewusst, dass eine Befreiung der Hauptstadt fast unmöglich war, den Alliierten war aber auch klar, dass ein Sturm auf die riesige Stadt unüberschaubare Verluste auf der eigenen Seite mit sich gebracht hätte und der Ausgang einer solchen Schlacht vollkommen unkalkulierbar gewesen wäre.
So setzte man auf eine Aushungerung der Stadt, die sich aber, auf Grund der langen Zeit, die den Franzosen zur Vorbereitung verblieben war, als ein sehr lang anhaltendes Unterfangen erwies.
Hinzu kam, dass die französische Erwartung in Erfüllung ging, dass die Truppen zunehmend an Motivation verloren.
Im Gegensatz dazu blieben die von Ludwig erhofften Aufstände im Rücken der Alliierten Truppen aber aus und so zeichnete sich immer mehr eine Patt-Situation ab.
Unter dieser Vorraussetzung schickte Ludwig einen Unterhändler zu den alliierten Heerführern und deutete einen Verzicht auf die spanischen Besitztümer an, unter der Vorraussetzung, dass die Belagerung von Paris bald aufgehoben werden würde und es zügig zu Friedensverhandlungen kommen könnte.
Marlborough und Eugen, die Handlungsbefugnisse für solch einen Fall hatten, entschieden, dass diese Möglichkeit zu einem für sie sehr vorteilhaften Friedensschluss genutzt werden sollte und gaben die entsprechenden französischen Bitten an ihre jeweiligen Regierungen weiter.

Von ihren Regierungen damit beauftragt, handelten die beiden in den folgenden Wochen einen Präliminarfrieden aus, indem ein großer Friedenskongress vereinbart wurde, der im September 1712 in Versailles beginnen sollte. Bis zum Abschluss dieses Kongresses allerdings sollten die Alliierten ihre Truppen in Frankreich stehen lassen, die über den Zeitraum der Verhandlungen auch von den Franzosen versorgt werden mussten.
Die Mächte kamen schließlich, wie vereinbart ab dem 15. September, in Versailles zusammen, wo die Verhandlungen zwischen Frankreich, Großbritannien und den österreichischen Habsburgern aufgenommen wurden. Den anderen alliierten Mächten, vor allem den Vereinigten Niederlanden, Preußen, Savoyen und den diversen Ständen des Reichs, sowie auf der Gegenseite den Wittelsbachern, wurde nur ein Beobachterstatus zuerkannt.




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