Der Spanische Erbfolgekrieg 2.1: Schwere Erkrankung Josef I.
Samstag, den 29. März 2008Im frühen 18. Jahrhundert grassierte in Europa eine Pockenepidemie, der jährlich ca. 400.000 Menschen zum Opfer fielen. Vor allem London wurde immer wieder von schweren Krankheitswellen heimgesucht. Von 1700 bis 1706 gab es auch im nord- und mitteldeutschen Raum eine große Epidemie, die sich bis 1709 und dann vor allem 1711 nach Süddeutschland und Österreich (hier insbesondere in Kärnten) ausbreitete.
Auch der römische-deutsche Kaiser Joseph I. erkrankte schwer an den Pocken und sofort stellte sich die Frage seiner Nachfolge.
Joseph hatte keine Nachkommen, die für den Thron in Frage gekommen wären. Sein 1700 geborener Sohn Leopold Joseph war bereits im Alter von einem Jahr verstorben. Seine beiden Töchter Maria Josepha (1699–1757) und Maria Amalia (1701–1756) kamen auf Grund der Erbfolgeregelungen der österreichischen Erblande nicht in Frage. Ohnehin müsste der neue Kaiser gewählt werden, wobei diese Krone meist den Habsburgern zufiel. 
So kam als potentieller Erbe der Würden Österreichs und als habsburgischer Kandidat für den Kaiserthron nur Josephs Bruder Karl in Frage, dem, nach den Plänen der Großen Allianz, aber die Krone Spaniens zufallen sollte.
Vor allem für Großbritannien bedeute diese neue Konstellation die Notwendigkeit zu einer neuerlichen Begutachtung der Lage.
Nun drohte nämlich nicht mehr nur eine bourbonische Hegemonie auf dem Kontinent, sondern auch die Aussicht auf einen römisch-deutschen Kaiser, der darüber hinaus die Kontrolle über die wiedervereinten Habsburger Erblande der österreichischen und der spanischen Linie erlangt hätte, das britische Konzept einer von Großbritannien gelenkten kontinentalen Balance of Power (damit Großbritannien selbst auf den Meeren der Welt und in Übersee zur einzigen Weltmacht aufsteigen konnte) zu gefährden.
Hinzu kam eine bedeutende Änderung in der englischen Politik. Die Whigs, die traditionellen Vertreter einer Balance-of-Power-Politik waren in der britischen Regierung von den Tories abgelöst worden. Diese standen aber für die so genannte Blue-Water-Policy, eine Politik, die ein Fokussierung der englischen Interessen auf Übersee und eine Nichteinmischung in europäische Belange vorsah.
Die neue Tory-Regierung überlegte nun, den britischen Heerführer, den Duke of Marlborough, der für Loyalität gegenüber dem Königshaus (das wegen seiner Besitzungen in Hannover eher an einer dem Kontinent zugewandten Politik interessiert war) und Anhängerschaft zu den Whigs bekannt war, durch James Butler, den 2.Duke of Ormonde zu ersetzen. Dieser sollte dann an Stelle einer offensiven Haltung eine abwartende einnehmen.
Unter diesen Voraussetzungen begann die britische Regierung Friedensverhandlungen mit Frankreich im niederländischen Utrecht.
Bei diesen Verhandlungen war es das Ziel der Briten, eine Teilung der spanischen Besitztümer unter Überlassung der Krone an Philippe, zu erreichen.
Aber schon bald sollten die Ereignisse eine erneute Wende nehmen…

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