Der Spanische Erbfolgekrieg 1.3: Kriegsverlauf bis 1711
Der entscheidende Anlass für Großbritannien von der reinen Drohkulisse, die durch die Große Allianz gegenüber Frankreich aufgebaut worden war zu offensiven Kampfhandlungen überzugehen war einerseits die Besetzung der niederländischen Barrierefestungen in den Spanischen Niederlanden durch Frankreich. Andererseits schloss Frankreich einen Vertrag mit Portugal und Spanien, der ihm die Kontrolle über nahezu alle Häfen gab, die zur Erlangung der Vorherrschaft im westlichen und zentralen Mittelmeer von Bedeutung waren.
Zusätzlich schlossen Frankreich und Spanien einen Vertrag, der Frankreich die Exklusivrechte zum Handel mit den spanischen Kolonien in Übersee gab.
Die folgenden Kampfhandlungen brachten Frankreich an den Rand einer schweren Niederlage.
Zeitweilig gelang den Alliierten sogar die Einnahme Madrids und auch wenn dieses nicht gehalten wurde, konnte Großbritannien (wobei die Verwendung dieses Namens nicht ganz korrekt ist, da dieser erst 1707 nach dem Act of Union mit Irland angenommen wurde, der Einheitlichkeit wegen wollen wir aber dabei bleiben) zusammen mit seinen Verbündeten aber spektakuläre Erfolge erzielen. So fiel Gibraltar an Großbritannien, was bis in unsere Tage in seiner strategischen Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann, daneben Menorca und Barcelona mit seinem Umland.
Große Erfolge gelangen auch mit der Befreiung der Barrierefestungen in den spanischen Niederlanden und den Siegen in den Schlachten von Ramillies, Oudenaarde und Malplaquet (wobei die Wertung dieser Schlacht in der Forschung umstritten ist) unter der Führung des britischen Oberbefehlshabers John Churchill (dem ersten Duke of Marlborough und direktem Vorfahren Winston Churchills) und des österreichischen Heerführers Prinz Eugen von Savoyen.
Diesen beiden war es auch schon gelungen der größten französischen Streitmacht in der Schlacht von Höchstädt (in Bayern) eine vernichtende Niederlage beizubringen und somit jegliche Gefahr von den österreichischen Kernlanden abzuwenden. Zudem gelang es damit, den französischen Verbündeten Bayern gänzlich aus dem Kriegsgeschehen zu isolieren.
Auch in Italien wurden bis 1708 die französischen Truppen vernichtend geschlagen und zwischen 1706 und 1708 fielen Mailand, Parma, Neapel, Mantua und Sardinien an die Alliierten, was zur Generalkapitulation der spanischen und französischen Truppen auf der Appenin-Halbinsel führte in deren Folge alliierte Armeen bis weit nach Südfrankreich vordringen konnten.
So stand Frankreich in diesen Jahren kurz vor einem Zusammenbruch aller seiner Fronten und von den Spanischen Niederlanden drohten die Truppen Marlboroughs in Richtung Paris vorzustoßen. Lediglich entlang des Rheins in Süddeutschland konnte in den Gefechten gegen die Truppen der Vorderen Reichskreise und des Reichs unter Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden eine Pattsituation erreicht werden.
Dann aber kam es 1711 zu einem Ereignis, dass den ganzen Krieg in ein neues Licht hätte rücken können…

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