Der Spanische Erbfolgekrieg 1.2: Die Bildung der Großen Allianz
Dienstag, den 25. März 2008Die Nachricht über den Inhalt des Testamentes wurde in den Hauptstädten der anderen Mächte unterschiedlich aufgenommen. Ludwig XIV. sah darin die Möglichkeit, die Macht und den Ruhm seines Hauses deutlich auszudehnen. Er war sich aber durchaus des Risikos eines großen europäischen Krieges bewusst, rief aber am 16. November 1700 dennoch seinen Enkel – unter Zustimmung des größten Teils Spaniens – zum König von Spanien aus.
In den Hauptstädten Englands und der Vereinigten Niederlande reagierte man mit „Verblüffung“ auf das Testament und den Bruch des Teilungsvertrages durch den französischen König. Für Österreich waren weder das Testament – schon der Teilungsplan wäre wegen der dadurch entstandenen Hegemonie Frankreichs in Italien nicht akzeptabel gewesen – noch die Ausrufung Philipps zum spanischen König als Philipp V. akzeptabel.
Auch wenn England und die Vereinigten Niederlande nicht unmittelbar mit militärischen Mitteln auf die Ausrufung Philipps reagierten, so provozierten die weiteren Schritte Ludwigs XIV, Wilhelm III. von Oranien, in Personalunion König von England und Statthalter der Vereinigten Niederlande, mit Leopold I. Verhandlungen aufzunehmen, die zur Wiederbelebung der Großen Allianz gegen Frankreich führten.
So bildete sich eine Allianz gegen Frankreich, der neben England, den Vereinigten Niederlanden und Österreich auch Portugal (ab 1703), Savoyen (anfangs auf der Seite Frankreichs, ab 1703 auf der Seite der Allianz), Dänemark (1704-1709) und nahezu alle Fürsten des deutschen Reichs, vor allem zu nennen sind hier Hannover, Brandenburg-Preußen und die Vorderen Reichskreise, sowie nach der Reichskriegserklärung im September 1702 auch das Reich selbst angehörten.

Auf der Gegenseite standen Frankreich, Spanien, Savoyen (bis 1703) und aus dem Reich die Wittelsbacher Fürstentümer Köln (mit Lüttich) und Bayern sowie Braunschweig-Wolfenbüttel - und, wenn auch ohne entscheidenden Einfluss, kurzeitig der Kirchenstaat (1708/09) .
Die Ziele der Großen Allianz waren durchaus heterogen. Während es dem Haus Habsburg vornehmlich um das Sichern der spanischen Lande für die eigene Dynastie ging hatten England und die Vereinigten Niederlande auch Interesse in Übersee, vor allem ging es ihnen aber darum, Frankreich an einem möglichen Zugriff auf die spanischen Niederlande zu hindern. Eine Besetzung der wohlhabenden Gebiete Flanderns hätte einerseits englische Handelinteressen bedroht, andererseits aber auch die Gefahr einer französischen Invasion in England deutlich erhöht. Die Vereinigten Niederlande, die alleine Frankreich nicht militärisch gewachsen waren sahen in einem Ausgreifen Frankreichs mit dem etwaigen Verlust der spanischen Niederlande als Puffer vor dem eigenen Land als ein massives Sicherheitsrisiko an. Ihr vordringliches Ziel war also die Sicherung der eigenen Nation und dazu die weitere Nutzung der Barrierefestungen in den spanischen Niederlanden als Verteidigungspuffer gegen ein französisches Ausgreifen.
Das Reich sah sich auch immer durch den französischen Einfluss gefährdet, was vor allem auf die in der Nördlinger Allianz zusammengeschlossenen Vorderen Reichskreise zutraf.
Die Reichsstände, die auf der Seite Frankreichs standen, in der Hauptsache also Köln und Bayern, die vom Hause der Wittelsbacher regiert wurden erhofften sich ein Aufbrechen der Habsburger Dominanz im Reich und das Erringen der Kaiserwürde für einen Vertreter des eigenen Hauses.
Frankreich schließlich verfolgte vor allem das Ziel, sich von der Habsburger Umklammerung zu befreien und einen großen Teil der Kolonien der sich im Niedergang befindenden ehemaligen Großmacht Spanien und ihrer Reichtümer zu sichern.

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