Der Spanische Erbfolgekrieg 1.1: Die Frage der spanischen Erbfolge
Im 17. Jahrhundert regierten Herrscher aus dem Hause Habsburg große Teile Europas und der ganzen Welt. Darunter die österreichischen Lande, Ungarn, Böhmen, die spanischen Niederlande, Spanien mit seinen Kolonien in Übersee sowie weite Territorien auf der italienischen Halbinsel.
Im Jahr 1504 hatte Philipp I. als erster Habsburger den Thron Spaniens bestiegen. Sein Sohn Karl I., als Karl V. ab 1519 auch Römisch-Deutscher Kaiser, war ab 1516 König von Spanien. Dadurch lag die Herrschaft über die spanischen und österreichischen Lande, sowie das Heilige Römische Reich in der Hand eines Mannes vereint. Durch Karls Abdankung 1556 wurde die Herrschaft zwar wieder geteilt (dabei gingen die spanischen Lande an seinen Sohn Philipp, der als Philipp II. regierte und die österreichischen Lande sowie auch die Kaiserkrone an seinen Bruder Ferdinand I.), woraus sich in der Folge die spanische und die österreichische Linie des Hauses Habsburg entwickelte, aber dennoch blieben alle genannten Gebiete unter der Herrschaft Habsburgs. Vor allem für Frankreich war diese Situation der Umklammerung durch das Haus Habsburg ein ständiger Grund zur Besorgnis.
Durch den Tod Karls II., König von Spanien, im Jahre 1700 starb die spanische Linie des Hauses Habsburg aus. Dies war durch das Fehlen eines männlichen Nachkommens und den schlechten Gesundheitszustand Karls für die anderen europäischen Mächte schon frühzeitig abzusehen und so begannen die europäischen Mächte schon früh mit Versuchen, für den Fall des Todes Karls, eine für sie vorteilhafte Lösung der spanischen Frage vorzubereiten.
Vor dem Tod Karl II. gab es zwei Pläne zur Vermeidung eines europäischen Konfliktes um die spanische Krone. Beide Pläne beruhten auf Abmachungen zwischen Frankreich sowie den Seemächten England und den Vereinigten Niederlanden. Der erste Plan sah vor, das ungeteilte spanische Erbe an den bayrischen Kurprinzen Joseph Ferdinand aus dem Hause Wittelsbach fallen zu lassen. Dieser hatte selbst, als Urenkel Philipps IV. von Spanien, dynastische Verbindungen zum spanischen Thron, wenngleich diese schwächer waren als die der anderen Anwärter. Nach dem überraschenden Tod Joseph Ferdinands im Jahr 1699 wurde der erste Plan allerdings hinfällig und die drei Mächte erarbeiteten einen zweiten Lösungsvorschlag. Dieser sah vor, dass die spanische Krone an den zweiten Sohn Leopolds I. von Österreich, Erzherzog Karl, fallen sollte, der ein Enkel Philipps IV. war. Als Ausgleich dafür sollte der dritte Thronanwärter, Philipp von Anjou, Enkel des französischen Königs Ludwig XIV. und ebenfalls (über seine Mutter) Enkel Philipps IV. von Spanien, die italienischen Besitztümer Spaniens erhalten.
Karl II. indes hatte andere Pläne. So hatte er in seinem zweiten Testament, das er nach dem Tod Joseph Ferdinands verfasst hatte, Philipp von Anjou als Erben des Thrones und der ungeteilten spanischen Gebiete eingesetzt.
Die Nachricht über den Inhalt des Testamentes wurde in den Hauptstädten der anderen Mächte unterschiedlich aufgenommen. Ludwig XIV. sah darin die Möglichkeit, die Macht und den Ruhm seines Hauses deutlich auszudehnen. Er war sich aber durchaus des Risikos eines großen europäischen Krieges bewusst, rief aber am 16. November 1700 dennoch seinen Enkel – unter Zustimmung des größten Teils Spaniens – zum König von Spanien aus.

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