Der Spanische Erbfolgekrieg 3.3: Vormarsch nach und Belagerung von Paris

20. April 2008

Die militärische Kampagne des Frühsommers 1712 verlief nahezu exakt den Erwartungen der Krieg führenden Mächte entsprechend. Die Alliierten rückten Kilometer für Kilometer und Stadt für Stadt näher an Paris heran.
Lediglich die Armee Georgs von Hessen-Darmstadt stieß auf etwas mehr als den erwarteten Widerstand auf ihrem Weg durch den Westen Frankreich. Der Duke Malborough wurde, wie nicht anders vorherzusehen war, ungefähr zwei Wochen rund um Reims aufgehalten, während Prinz Eugen zügig vorankam.
Nahezu zeitgleich konnten so die Belagerungspositionen nord-östlich und süd-östlich der französischen Hauptstadt eingenommen werden. Nachdem die Truppen Georgs dann, zwei Wochen später als erwartet, eintrafen, konnte der Belagerungsring schließlich geschlossen werden.
Einige Tage zuvor war der einzige französische Versuch gescheitert, eine Presche zwischen die Truppen Eugens und Marlboroughs zu schlagen.
Zunächst tat sich nun auf beiden Seiten recht wenig, den Franzosen war bewusst, dass eine Befreiung der Hauptstadt fast unmöglich war, den Alliierten war aber auch klar, dass ein Sturm auf die riesige Stadt unüberschaubare Verluste auf der eigenen Seite mit sich gebracht hätte und der Ausgang einer solchen Schlacht vollkommen unkalkulierbar gewesen wäre.
So setzte man auf eine Aushungerung der Stadt, die sich aber, auf Grund der langen Zeit, die den Franzosen zur Vorbereitung verblieben war, als ein sehr lang anhaltendes Unterfangen erwies.
Hinzu kam, dass die französische Erwartung in Erfüllung ging, dass die Truppen zunehmend an Motivation verloren.
Im Gegensatz dazu blieben die von Ludwig erhofften Aufstände im Rücken der Alliierten Truppen aber aus und so zeichnete sich immer mehr eine Patt-Situation ab.
Unter dieser Vorraussetzung schickte Ludwig einen Unterhändler zu den alliierten Heerführern und deutete einen Verzicht auf die spanischen Besitztümer an, unter der Vorraussetzung, dass die Belagerung von Paris bald aufgehoben werden würde und es zügig zu Friedensverhandlungen kommen könnte.
Marlborough und Eugen, die Handlungsbefugnisse für solch einen Fall hatten, entschieden, dass diese Möglichkeit zu einem für sie sehr vorteilhaften Friedensschluss genutzt werden sollte und gaben die entsprechenden französischen Bitten an ihre jeweiligen Regierungen weiter.
Das Palais Royal in Paris
Von ihren Regierungen damit beauftragt, handelten die beiden in den folgenden Wochen einen Präliminarfrieden aus, indem ein großer Friedenskongress vereinbart wurde, der im September 1712 in Versailles beginnen sollte. Bis zum Abschluss dieses Kongresses allerdings sollten die Alliierten ihre Truppen in Frankreich stehen lassen, die über den Zeitraum der Verhandlungen auch von den Franzosen versorgt werden mussten.
Die Mächte kamen schließlich, wie vereinbart ab dem 15. September, in Versailles zusammen, wo die Verhandlungen zwischen Frankreich, Großbritannien und den österreichischen Habsburgern aufgenommen wurden. Den anderen alliierten Mächten, vor allem den Vereinigten Niederlanden, Preußen, Savoyen und den diversen Ständen des Reichs, sowie auf der Gegenseite den Wittelsbachern, wurde nur ein Beobachterstatus zuerkannt.

Der Spanische Erbfolgekrieg 3.2: Die Planungen der Kriegsparteien

14. April 2008

Nur langsam ging die Zeit in den Winterlagern vorüber und vor allem in Metz war die Versorgungslage nicht ideal.
Frankreich nutze die Zeit zur Reorganisation seiner Truppen und zur Befestigung der Hauptstadt Paris. Weitere Verteidigungslinien wurden vor allem in Reims und Dijon aufgebaut.
Die Alliierten teilten nach dem Winter ihre Truppen in drei Stoßkeile auf, die von verschiedenen Seiten durch Frankreich nach Paris vorstoßen sollten.
Das Hauptheer im Süden sollte dabei von Eugen über Marseille nach Dijon und von dort weiter nach Paris rücken. Georg von Hessen-Darmstadt wollte die französische Metropole von Westen her erreichen und auf dem Weg die Atlantikhäfen bei Bordeaux und La Rochelle nehmen.
Im Norden schließlich plante Marlborough mit seinen Truppen über Reims nach Paris vorzurücken.
Mit einer offenen Feldschlacht rechnete keiner der drei Kommandanten, da es dem französischen Oberbefehlshaber de Villiers bewusst sein musste, dass seine stark geschwächten Truppen, trotz der Verschnaufpause und der Zeit zur Reorganisation, keine Chance gegen die deutlich stärkeren Heere der Alliierten hätten. Die alliierten Planungen im Spanischen Erbfolgekrieg
So bereitete er sich in Paris auf eine Belagerung vor und erhoffte sich, durch die starken Befestigungen auf dem Weg in Reims und Dijon noch etwas Zeit zu gewinnen um Lebensmittel und sonstige Versorgungsprodukte in den Frühlingsmonaten heran zu schaffen.
Es war das Ziel des französischen Oberbefehlshabers und des französischen Königs Ludwig, die Hauptstadt uneinnehmbar zu machen und so die Truppen der Alliierten, die auf fremdem Terrain, weit ab der Heimat, standen, bei der bevorstehenden Belagerung zu zermürben, teilweise auch in der Hoffnung auf Aufstände im Rücken der Alliierten bei einer eventuell lang anhaltenden Besatzung von Städten und Festungen in ganz Frankreich.

Der Spanische Erbfolgekrieg 3.1: Weiteres energisches Vorgehen der Alliierten in Flandern und Spanien

9. April 2008

In der Zwischenzeit ging auch der Duke of Marlborough erfolgreich gegen die französischen Truppen vor. Noch kurz zuvor hatte er vor der Ablösung gestanden, da Frankreich und Großbritannien Verhandlungen um einen Separatfrieden geführt hatten. Der plötzliche Anspruch Ludwigs auf den Thron in Folge des Todes von Philipp hatte aber zu einer Änderung der Meinung der neuen Tory-Regierung in Großbritannien geführt.
Zeitgleich mit dem Beginn des Marsches auf Madrid von den drei Seiten Gibraltar, Portugal und Katalonien ging auch der zu seinen Truppen zurückgekehrte Duke of Marlborough wieder offensiv gegen die französischen Truppen vor.
Nach erneuten Siegen in Flandern, begünstigt durch die frisch aus Preußen eingetroffenen Verstärkungen, gelang ein Vorstoß nach Lothringen.
Die französischen Truppen unter General Villiers konnten sich unter dem zunehmenden Druck von allen Seiten auch entlang der Rheinfront gegen die Truppen der Nördlinger Allianz und des Reiches Baden nicht mehr länger halten, so dass diese sich nach verschiedenen Manövern am 8. November 1711 mit den Truppen Marlboroughs in Metz vereinigen konnten.
Bis zu diesem Zeitpunkt war das Wetter den Alliierten günstig gestimmt gewesen, nun aber kam es in rascher Folge zu starkem Regen und danach zu einem unerwartet starken Wintereinbruch, was das Abrücken der vereinigten Truppen aus Metz verhinderte und den Franzosen somit eine Atempause und eine Zeit zur Reorganisation ihrer Truppen bot.
Derweil ging auch die Kampagne in Spanien uneingeschränkt weiter und die Belagerung Madrids wurde fortgeführt. Die Großstadt litt zunehmend unter dem Verlust ihrer Versorgungswege und die Lebensmittelsituation wurde immer schwieriger. Die Verteidigung der Stadt konnte von Tag zu Tag nur noch eingeschränkter aufrechterhalten werden und der Unmut der Bevölkerung wuchs.
Anfang Oktober 1711 kam es schließlich zu einer Erhebung der Bevölkerung gegen die in der Hauptstadt stationierten Truppen, was für Eugen und die verbündeten Streitkräfte das Signal zum Angriff war.
Die nun sowohl von innen als auch von außen bedrohten französischen und spanischen Truppen, die selbst auch ausgezehrt und demoralisiert waren, konnten sich nur noch wenige Tage halten und am 15. Oktober kapitulierten auch die letzten Verteidiger der spanischen Hauptstadt.
Unter dem Eindruck dieser Erfolge waren es die nächsten Ziele planten nun auch Prinz Eugen und Prinz Georg von Hessen-Darmstadt einen Vorstoß nach Südfrankreich. Da aber im Winter an eine Überquerung der Pyrenäenpässe zwischen Spanien und Frankreich nicht zu denken war rückte der Großteil der Truppen bis nach Saragossa vor und bezog dort ihr Winterlager.
In den folgenden Monaten wurden hauptsächlich Depeschen zwischen den Kommandeuren in Saragossa und Metz ausgetauscht um nach dem Winter ein koordiniertes Vorgehen in Frankreich zu planen.

Der Spanische Erbfolgekrieg 2.4: Ludwig XIV. beansprucht den spanischen Thron im Namen seines Urenkels für sich

4. April 2008

Der unerwartet frühe Tod seines Enkels stellte Ludwig vor das Problem, dass es nun keinen offensichtlichen Nachfolger aus dem Haus der Bourbonen für den spanischen Thron gab.
Philipps ältester Sohn, Ludwig Philipp stand kurz vor seinem 4. Geburtstag und war somit sicherlich in Spanien, gerade in einer so schwierigen Situation, noch nicht durchsetzbar.
Sein einziger eigener legitimer Sohn, der Dauphin Ludwig von Frankreich, war am 14. April 1711 an den Pocken gestorben.
Ludwig sag es als einzige Option an, den spanischen Thron nun für sich im Namen seines Urenkels zu beanspruchen.
Trotz seiner Zusicherung, dieses nach dessen Volljährigkeit Ludwig Philipps wieder an diesen abzutreten, schenkten die anderen europäischen Mächte nur wenig Glauben. Ludwig XIV. von Frankreich, Gemälde von Hyacinthe Rigau y Ros
Auch in Großbritannien, kam es durch die Ereignisse zunächst wieder zu einem Umschwenken der öffentlichen Meinung, die auch schnell in die Reihen der Tories getragen wurde.
Der Duke of Marlborough, der sich nach seiner Demission bereits auf dem Rückweg nach Großbritannien befand wurde von der Nachricht, dass er nun doch weiter das britisch-niederländische Heer anführen sollte kurz vor seiner Einschiffung ein Brügge erreicht und eilte sofort zurück zu seinen Truppen, um diese auf eine Fortführung des Kampfes einzustimmen.
Zwischenzeitlich waren auch größere Kontingente an Unterstützungstruppen aus Preußen eingetroffen, dem, im Gegenzug zu seiner breiter angelegten Unterstützung neben Geldern und Lingen ein größerer Teil an den Habsburger Besitzungen in Nordwestdeutschland zugesichert worden war.
In Spanien war es zwischenzeitlich Prinz Eugen gelungen, seine Armee neu zu organisieren und eine sichere Stellung nur 25 km vor der spanischen Hauptstadt Madrid zu errichten. Trotz ihrer geringeren Verluste bei der Schlacht von Teruel waren die spanischen Truppen durch den Tod ihres Königs so verunsichert, dass es ihnen nicht gelingen wollte, Eugen zu stoppen.
Zeitgleich von Portugal und Gibraltar vorgetragene Operationen britischer und niederländischer Truppen unter Prinz Georg von Hessen-Darmstadt, der auch schon für die Landbesetzung Gibraltars verantwortlich gewesen war, setzen Madrid weiter unter Druck und legten, zusammen mit den Truppen Eugens einen dichten Belagerungsring um die Hauptstadt, in der aber immer noch das große spanisch-französische Heer zur Verteidigung stand.

(Das Gemälde stammt von Hyacinthe Rigau y Ros und zeigt Ludwig XIV., König von Frankreich - es hängt heute im Louvre in Paris)

Der Spanische Erbfolgekrieg 2.3: Die Schlacht von Teruel

2. April 2008

Im Frühsommer des Jahres 1711 waren die Habsburger Truppen, trotz der brütenden Hitze in Spanien, auf dem Vormarsch in Richtung Madrid, während sich die britisch-französischen Verhandlungen über einen Separatfrieden in Utrecht immer weiter in die Länge zogen.
Prinz Eugen war bewusst, dass ihm ein spanisch-französisches Heer entgegen zog, das ihm an Männern überlegen war und noch dazu die territorialen Gegebenheiten besser kannte.
So versuchte Eugen einen für seine Truppen vorteilhaften Aufstellungsort zu finden und sammelte sein Heer.
Einen passenden Platz fand er ungefähr auf halber Strecke zwischen Barcelona und Madrid, auf einem Hügelzug in der Nähe des Stadt Teruel, gegenüber den Ufern des Rio Alfambra.
Im Morgengrauen des 1. Juli 1711 rückte das spanische Herr unter Führung Philipps den Truppen Eugens entgegen.
In der festen Überzeugung, durch die Überlegenheit an Truppen leichtes Spiel mit den Österreichern zu haben, gab Philipp seinen Kommandanten den Befehl zum Angriff, der zuerst auf der rechten Flanke eingeleitet wurde.
Unter schwerem Artilleriebeschuss konnte der linke Flügel Eugens der anstürmenden französischen Kavallerie nur schwer Stand halten, während die Gefechte, die sich an den anderen Flanken entwickelten gleichmäßig hin- und herwogten, mussten die Verteidiger des linken Flügels Schritt für Schritt nachgeben.
Gegen Mittag drohte der komplette Einbruch der Flanke, wodurch sich die Artillerie Philipps mit ihrem Beschuss auf das Zentrum Eugens Armee konzentrieren konnte, das nun auch von der Kavallerie der Franzosen, die an ihrer rechten Flanke keinen großen Widerstand mehr brechen mussten, bedrängt wurde.
Schon schien die Schlacht für Eugen verloren, als in den spanischen Reihen plötzlich Unruhe aufkam und das Sperrfeuer der Artillerie plötzlich abbrach, was auf beiden Seiten zu Verwirrung und einer Verschnaufpause für die Österreicher führte.
Urplötzlich hallte der Befehl zum Rückzug des spanischen Heeres über das Schlachtfeld.
Noch war nicht klar, was geschehen war, aber bald schienen sich die ersten aufkommenden Gerüchte zu verdichten. Philipp V. war durch ein österreichisches Geschütz tödlich verwundet worden.
Philipp V. von Spanien, Gemälde von Hyacinthe Rigau y Ros
Sofort versuchte Eugen seine Truppen neu zu ordnen und dem sich zurückziehenden Feind nachzusetzen. Die eigenen Truppen waren aber durch die sich anbahnende Niederlage zu sehr geschwächt worden, und auf der Gegenseite konnten die Franzosen und Spanier schnell Ordnung in ihren Rückzug bringen, so dass ein erfolgreiches Nachsetzen nicht möglich war.
Der militärische Triumph blieb somit aus, aber der plötzliche Tod Philipps sollte die Karten im Spanischen Erbfolgekrieg, dem „Weltkrieg des Barock“ erneut mischen…

(Das Gemälde stammt von Hyacinthe Rigau y Ros und zeigt Philipp V., König von Spanien)

Der Spanische Erbfolgekrieg 2.2: Überraschende Genesung Josefs

31. März 2008

Schon auf dem Sterbebett liegend und von den Pocken schwer gezeichnet, erfuhr Joseph vom plötzlichen Umschwung der britischen Politik. Auf einem Auge erblindet und von zeitweiligen Lähmungen ergriffen, schienen diese Informationen einen neuen Widerstandswillen in Joseph zu erwecken und nach und nach besserten sich seine Symptome; die Eiterpusteln begannen auszutrocknen, auch wenn sie schwere Narben hinterließen und die Erblindung des rechten Auges irreparabel war, besserte sich sein Zustand beinahe täglich.
Joseph und seinen Beratern war aber auch klar, dass eine reine Besserung seines gesundheitlichen Zustandes kein erneutes Umschwenken der britischen Politik hervorrufen würde, da die Tory-Regierung insgesamt zu wenig an einer kontinental orientierten Politik interessiert war.
Joseph wollte Tatsachen schaffen und schickte sofort nach dem sich noch auf dem Schlachtfeld befindenden Prinz Eugen.
Prinz Eugen Franz von Savoyen-Carignan, kurz: Prinz Eugen
Gleichzeitig ließ er in den gewonnenen Gebieten Italiens groß angelegte Konfiszierungen von Schiffen vornehmen und rüstete eine neue Armee aus, die die österreichischen Truppen in Katalonien verstärken und von dort einen neuen Angriff auf Madrid beginnen sollten.
Nur vier Wochen nach dem Beginn dieser Planungen segelte eine große Habsburger Flotte von Gafers (dem heutigen Koper) an der slowenischen Adriaküste aus nach Spanien. Die Truppen an Bord standen unter dem Befehl von Prinz Eugen.
Am 17. Juni 1711 gelang die Landung in Spanien, sofort nach der Vereinigung der Truppen mit den bereits dort befindlichen Einheiten begann der Marsch auf Madrid.
In der Zwischenzeit konnte, trotz des Ausfalls der englischen Unterstützung, eine Patt-Situation entlang des Rheines gehalten werden. Auch in den Spanischen Niederlanden kam es zu keinen offensiven Manövern der Franzosen, da diese die gerade begonnenen Verhandlungen mit Großbritannien nicht gefährden wollten.

Der Spanische Erbfolgekrieg 2.1: Schwere Erkrankung Josef I.

29. März 2008

Im frühen 18. Jahrhundert grassierte in Europa eine Pockenepidemie, der jährlich ca. 400.000 Menschen zum Opfer fielen. Vor allem London wurde immer wieder von schweren Krankheitswellen heimgesucht. Von 1700 bis 1706 gab es auch im nord- und mitteldeutschen Raum eine große Epidemie, die sich bis 1709 und dann vor allem 1711 nach Süddeutschland und Österreich (hier insbesondere in Kärnten) ausbreitete.
Auch der römische-deutsche Kaiser Joseph I. erkrankte schwer an den Pocken und sofort stellte sich die Frage seiner Nachfolge.
Joseph hatte keine Nachkommen, die für den Thron in Frage gekommen wären. Sein 1700 geborener Sohn Leopold Joseph war bereits im Alter von einem Jahr verstorben. Seine beiden Töchter Maria Josepha (1699–1757) und Maria Amalia (1701–1756) kamen auf Grund der Erbfolgeregelungen der österreichischen Erblande nicht in Frage. Ohnehin müsste der neue Kaiser gewählt werden, wobei diese Krone meist den Habsburgern zufiel. Heilig Römischer Kaiser Joseph I.
So kam als potentieller Erbe der Würden Österreichs und als habsburgischer Kandidat für den Kaiserthron nur Josephs Bruder Karl in Frage, dem, nach den Plänen der Großen Allianz, aber die Krone Spaniens zufallen sollte.
Vor allem für Großbritannien bedeute diese neue Konstellation die Notwendigkeit zu einer neuerlichen Begutachtung der Lage.
Nun drohte nämlich nicht mehr nur eine bourbonische Hegemonie auf dem Kontinent, sondern auch die Aussicht auf einen römisch-deutschen Kaiser, der darüber hinaus die Kontrolle über die wiedervereinten Habsburger Erblande der österreichischen und der spanischen Linie erlangt hätte, das britische Konzept einer von Großbritannien gelenkten kontinentalen Balance of Power (damit Großbritannien selbst auf den Meeren der Welt und in Übersee zur einzigen Weltmacht aufsteigen konnte) zu gefährden.
Hinzu kam eine bedeutende Änderung in der englischen Politik. Die Whigs, die traditionellen Vertreter einer Balance-of-Power-Politik waren in der britischen Regierung von den Tories abgelöst worden. Diese standen aber für die so genannte Blue-Water-Policy, eine Politik, die ein Fokussierung der englischen Interessen auf Übersee und eine Nichteinmischung in europäische Belange vorsah.
Die neue Tory-Regierung überlegte nun, den britischen Heerführer, den Duke of Marlborough, der für Loyalität gegenüber dem Königshaus (das wegen seiner Besitzungen in Hannover eher an einer dem Kontinent zugewandten Politik interessiert war) und Anhängerschaft zu den Whigs bekannt war, durch James Butler, den 2.Duke of Ormonde zu ersetzen. Dieser sollte dann an Stelle einer offensiven Haltung eine abwartende einnehmen.
Unter diesen Voraussetzungen begann die britische Regierung Friedensverhandlungen mit Frankreich im niederländischen Utrecht.
Bei diesen Verhandlungen war es das Ziel der Briten, eine Teilung der spanischen Besitztümer unter Überlassung der Krone an Philippe, zu erreichen.
Aber schon bald sollten die Ereignisse eine erneute Wende nehmen…

Der Spanische Erbfolgekrieg 1.3: Kriegsverlauf bis 1711

27. März 2008

Der entscheidende Anlass für Großbritannien von der reinen Drohkulisse, die durch die Große Allianz gegenüber Frankreich aufgebaut worden war zu offensiven Kampfhandlungen überzugehen war einerseits die Besetzung der niederländischen Barrierefestungen in den Spanischen Niederlanden durch Frankreich. Andererseits schloss Frankreich einen Vertrag mit Portugal und Spanien, der ihm die Kontrolle über nahezu alle Häfen gab, die zur Erlangung der Vorherrschaft im westlichen und zentralen Mittelmeer von Bedeutung waren.
Zusätzlich schlossen Frankreich und Spanien einen Vertrag, der Frankreich die Exklusivrechte zum Handel mit den spanischen Kolonien in Übersee gab.
Die folgenden Kampfhandlungen brachten Frankreich an den Rand einer schweren Niederlage.
Zeitweilig gelang den Alliierten sogar die Einnahme Madrids und auch wenn dieses nicht gehalten wurde, konnte Großbritannien (wobei die Verwendung dieses Namens nicht ganz korrekt ist, da dieser erst 1707 nach dem Act of Union mit Irland angenommen wurde, der Einheitlichkeit wegen wollen wir aber dabei bleiben) zusammen mit seinen Verbündeten aber spektakuläre Erfolge erzielen. So fiel Gibraltar an Großbritannien, was bis in unsere Tage in seiner strategischen Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann, daneben Menorca und Barcelona mit seinem Umland.
Große Erfolge gelangen auch mit der Befreiung der Barrierefestungen in den spanischen Niederlanden und den Siegen in den Schlachten von Ramillies, Oudenaarde und Malplaquet (wobei die Wertung dieser Schlacht in der Forschung umstritten ist) unter der Führung des britischen Oberbefehlshabers John Churchill (dem ersten Duke of Marlborough und direktem Vorfahren Winston Churchills) und des österreichischen Heerführers Prinz Eugen von Savoyen.
Diesen beiden war es auch schon gelungen der größten französischen Streitmacht in der Schlacht von Höchstädt (in Bayern) eine vernichtende Niederlage beizubringen und somit jegliche Gefahr von den österreichischen Kernlanden abzuwenden. Zudem gelang es damit, den französischen Verbündeten Bayern gänzlich aus dem Kriegsgeschehen zu isolieren.John Chruchill 1st Duke of Marlborough
Auch in Italien wurden bis 1708 die französischen Truppen vernichtend geschlagen und zwischen 1706 und 1708 fielen Mailand, Parma, Neapel, Mantua und Sardinien an die Alliierten, was zur Generalkapitulation der spanischen und französischen Truppen auf der Appenin-Halbinsel führte in deren Folge alliierte Armeen bis weit nach Südfrankreich vordringen konnten.
So stand Frankreich in diesen Jahren kurz vor einem Zusammenbruch aller seiner Fronten und von den Spanischen Niederlanden drohten die Truppen Marlboroughs in Richtung Paris vorzustoßen. Lediglich entlang des Rheins in Süddeutschland konnte in den Gefechten gegen die Truppen der Vorderen Reichskreise und des Reichs unter Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden eine Pattsituation erreicht werden.
Dann aber kam es 1711 zu einem Ereignis, dass den ganzen Krieg in ein neues Licht hätte rücken können…

Der Spanische Erbfolgekrieg 1.2: Die Bildung der Großen Allianz

25. März 2008

Die Nachricht über den Inhalt des Testamentes wurde in den Hauptstädten der anderen Mächte unterschiedlich aufgenommen. Ludwig XIV. sah darin die Möglichkeit, die Macht und den Ruhm seines Hauses deutlich auszudehnen. Er war sich aber durchaus des Risikos eines großen europäischen Krieges bewusst, rief aber am 16. November 1700 dennoch seinen Enkel – unter Zustimmung des größten Teils Spaniens – zum König von Spanien aus.
In den Hauptstädten Englands und der Vereinigten Niederlande reagierte man mit „Verblüffung“ auf das Testament und den Bruch des Teilungsvertrages durch den französischen König. Für Österreich waren weder das Testament – schon der Teilungsplan wäre wegen der dadurch entstandenen Hegemonie Frankreichs in Italien nicht akzeptabel gewesen – noch die Ausrufung Philipps zum spanischen König als Philipp V. akzeptabel.
Auch wenn England und die Vereinigten Niederlande nicht unmittelbar mit militärischen Mitteln auf die Ausrufung Philipps reagierten, so provozierten die weiteren Schritte Ludwigs XIV, Wilhelm III. von Oranien, in Personalunion König von England und Statthalter der Vereinigten Niederlande, mit Leopold I. Verhandlungen aufzunehmen, die zur Wiederbelebung der Großen Allianz gegen Frankreich führten.
So bildete sich eine Allianz gegen Frankreich, der neben England, den Vereinigten Niederlanden und Österreich auch Portugal (ab 1703), Savoyen (anfangs auf der Seite Frankreichs, ab 1703 auf der Seite der Allianz), Dänemark (1704-1709) und nahezu alle Fürsten des deutschen Reichs, vor allem zu nennen sind hier Hannover, Brandenburg-Preußen und die Vorderen Reichskreise, sowie nach der Reichskriegserklärung im September 1702 auch das Reich selbst angehörten.
Die Bündnisse und Allianzen im Spanischen Erbfolgekrieg
Auf der Gegenseite standen Frankreich, Spanien, Savoyen (bis 1703) und aus dem Reich die Wittelsbacher Fürstentümer Köln (mit Lüttich) und Bayern sowie Braunschweig-Wolfenbüttel - und, wenn auch ohne entscheidenden Einfluss, kurzeitig der Kirchenstaat (1708/09) .
Die Ziele der Großen Allianz waren durchaus heterogen. Während es dem Haus Habsburg vornehmlich um das Sichern der spanischen Lande für die eigene Dynastie ging hatten England und die Vereinigten Niederlande auch Interesse in Übersee, vor allem ging es ihnen aber darum, Frankreich an einem möglichen Zugriff auf die spanischen Niederlande zu hindern. Eine Besetzung der wohlhabenden Gebiete Flanderns hätte einerseits englische Handelinteressen bedroht, andererseits aber auch die Gefahr einer französischen Invasion in England deutlich erhöht. Die Vereinigten Niederlande, die alleine Frankreich nicht militärisch gewachsen waren sahen in einem Ausgreifen Frankreichs mit dem etwaigen Verlust der spanischen Niederlande als Puffer vor dem eigenen Land als ein massives Sicherheitsrisiko an. Ihr vordringliches Ziel war also die Sicherung der eigenen Nation und dazu die weitere Nutzung der Barrierefestungen in den spanischen Niederlanden als Verteidigungspuffer gegen ein französisches Ausgreifen.
Das Reich sah sich auch immer durch den französischen Einfluss gefährdet, was vor allem auf die in der Nördlinger Allianz zusammengeschlossenen Vorderen Reichskreise zutraf.
Die Reichsstände, die auf der Seite Frankreichs standen, in der Hauptsache also Köln und Bayern, die vom Hause der Wittelsbacher regiert wurden erhofften sich ein Aufbrechen der Habsburger Dominanz im Reich und das Erringen der Kaiserwürde für einen Vertreter des eigenen Hauses.
Frankreich schließlich verfolgte vor allem das Ziel, sich von der Habsburger Umklammerung zu befreien und einen großen Teil der Kolonien der sich im Niedergang befindenden ehemaligen Großmacht Spanien und ihrer Reichtümer zu sichern.

Der Spanische Erbfolgekrieg 1.1: Die Frage der spanischen Erbfolge

23. März 2008

Im 17. Jahrhundert regierten Herrscher aus dem Hause Habsburg große Teile Europas und der ganzen Welt. Darunter die österreichischen Lande, Ungarn, Böhmen, die spanischen Niederlande, Spanien mit seinen Kolonien in Übersee sowie weite Territorien auf der italienischen Halbinsel.
Im Jahr 1504 hatte Philipp I. als erster Habsburger den Thron Spaniens bestiegen. Sein Sohn Karl I., als Karl V. ab 1519 auch Römisch-Deutscher Kaiser, war ab 1516 König von Spanien. Dadurch lag die Herrschaft über die spanischen und österreichischen Lande, sowie das Heilige Römische Reich in der Hand eines Mannes vereint. Durch Karls Abdankung 1556 wurde die Herrschaft zwar wieder geteilt (dabei gingen die spanischen Lande an seinen Sohn Philipp, der als Philipp II. regierte und die österreichischen Lande sowie auch die Kaiserkrone an seinen Bruder Ferdinand I.), woraus sich in der Folge die spanische und die österreichische Linie des Hauses Habsburg entwickelte, aber dennoch blieben alle genannten Gebiete unter der Herrschaft Habsburgs. Vor allem für Frankreich war diese Situation der Umklammerung durch das Haus Habsburg ein ständiger Grund zur Besorgnis. Karl II von SpanienDurch den Tod Karls II., König von Spanien, im Jahre 1700 starb die spanische Linie des Hauses Habsburg aus. Dies war durch das Fehlen eines männlichen Nachkommens und den schlechten Gesundheitszustand Karls für die anderen europäischen Mächte schon frühzeitig abzusehen und so begannen die europäischen Mächte schon früh mit Versuchen, für den Fall des Todes Karls, eine für sie vorteilhafte Lösung der spanischen Frage vorzubereiten.
Vor dem Tod Karl II. gab es zwei Pläne zur Vermeidung eines europäischen Konfliktes um die spanische Krone. Beide Pläne beruhten auf Abmachungen zwischen Frankreich sowie den Seemächten England und den Vereinigten Niederlanden. Der erste Plan sah vor, das ungeteilte spanische Erbe an den bayrischen Kurprinzen Joseph Ferdinand aus dem Hause Wittelsbach fallen zu lassen. Dieser hatte selbst, als Urenkel Philipps IV. von Spanien, dynastische Verbindungen zum spanischen Thron, wenngleich diese schwächer waren als die der anderen Anwärter. Nach dem überraschenden Tod Joseph Ferdinands im Jahr 1699 wurde der erste Plan allerdings hinfällig und die drei Mächte erarbeiteten einen zweiten Lösungsvorschlag. Dieser sah vor, dass die spanische Krone an den zweiten Sohn Leopolds I. von Österreich, Erzherzog Karl, fallen sollte, der ein Enkel Philipps IV. war. Als Ausgleich dafür sollte der dritte Thronanwärter, Philipp von Anjou, Enkel des französischen Königs Ludwig XIV. und ebenfalls (über seine Mutter) Enkel Philipps IV. von Spanien, die italienischen Besitztümer Spaniens erhalten.
Karl II. indes hatte andere Pläne. So hatte er in seinem zweiten Testament, das er nach dem Tod Joseph Ferdinands verfasst hatte, Philipp von Anjou als Erben des Thrones und der ungeteilten spanischen Gebiete eingesetzt.
Die Nachricht über den Inhalt des Testamentes wurde in den Hauptstädten der anderen Mächte unterschiedlich aufgenommen. Ludwig XIV. sah darin die Möglichkeit, die Macht und den Ruhm seines Hauses deutlich auszudehnen. Er war sich aber durchaus des Risikos eines großen europäischen Krieges bewusst, rief aber am 16. November 1700 dennoch seinen Enkel – unter Zustimmung des größten Teils Spaniens – zum König von Spanien aus.